Ablauf Kanalsanierung

Für die Sanierung von Grundleitungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dabei ist die Wahl des optimalen Verfahrens orts- und schadensspezifisch.

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ür die Sanierung von Grundleitungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die erste und nächstliegende ist natürlich die Erneuerung der Leitung und ggf. der zugehörigen Schächte.
Neben der herkömmlichen offenen Bauweise gibt es eine ganze Reihe von Sanierungsmöglichkeiten, bei denen die Dichtheit der Leitung wieder hergestellt werden kann, ohne Oberflächen aufbrechen zu müssen. Ein Vorteil solcher grabenlosen Verfahren ist, dass sie wenig Zeit erfordern, ca. ½ Arbeitstag pro Leitung. Meistens sind aber schwere Schäden, insbesondere für Brüche, Verformungen und Einstürze des Rohrs, aber auch starke Rohrversatze, in der Grundleitung nicht mehr grabenlos sanierbar. Grabenlos sanierbar sind meist undichte oder klaffende Rohrverbindungen ohne nennenswerte axiale Versatze der einzelnen Rohre. Das gleiche gilt für Risse oder für Scherben, die noch nicht aus ihrer Position gerutscht sind. Genaueres ist im Einzellfall zu entscheiden.

Die Wahl zwischen einer offenen und einer grabenlosen Sanierungslösung ist orts- und schadensspezifisch. Ein Neubau ist natürlich die konsequenteste Lösung, aber offene Bauarbeiten sind meist unerwünscht und oft gar nicht möglich, z.B. unter der Bodenplatte des Hauses. Meistens sind sie auch teurer gegenüber geschlossenen Sanierungsverfahren.


Grundsätzlich unterscheidet man drei Verfahrensgruppen

1. Reparatur:

Hierbei werden lokal begrenzte Schäden behoben.

2. Renovierung:

Hierbei wird die Funktionsfähigkeit der Abwasserleitungen unter Einbeziehung des Altrohres verbessert.

3. Erneuerung:

Hierbei werden neue Abwasserleitungen in der gleichen oder einer neuen Linienführung hergestellt.


Sanierungsverfahren: Reparatur

In offener Bauweise:

Hierbei wird zunächst eine offene Baugrube von Hand oder z.B. mit einem Mini-Bagger ausgehoben. Auf diese Weise kann das defekte Rohrstück entfernt und durch ein neues ersetzt werden. Die Rohrübergänge werden mit Manschettendichtungen verbunden und entsprechend abgedichtet. Schließlich wird die Baugrube wieder aufgefüllt.    

In grabenloser Bauweise:

Der Rat eines bewanderten Ingenieurs ist bei folgenden Techniken angebracht. Auch sollten diese Verfahren nur durch Unternehmen mit entsprechender Ausrüstung sowie Referenzen durchgeführt werden!

• Reparatur von punktuellen Einzelschäden durch partielle Gewebeauskleidungen
• Verlegung einer neuen Leitung ohne Erdarbeiten durch "grabenlose" Neubauverfahren wie Berstlining oder das TIP-Verfahren
• Innenauskleidung der defekten Leitung durch einen Gewebeschlauch ("Schlauchlining")
• Abdichtung von undichten Leitungen und Schächten mit dem Flutungsverfahren.

Beispiel Kurzliner:

Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch, aus z.B. Glasfasergewebe wird um einen aufblasbaren Träger, so genannten Packer, gewickelt. Danach wird der Packer unter Kamerabeobachtung an die Schadensstelle gefahren und mit Luftdruck an die zu reparierende Rohrwand gepresst. Hier verklebt der Kurzliner formschlüssig mit dem Altrohr und härtet aus. Hiernach kann man den Packer wieder aus dem Rohr entfernen.

Glasfaserauskleidungen haben neben der Dichtwirkung bei geringen Wandstärken schon eine beachtliche statische Tragfähigkeit, was in manchen Fällen durchaus von Vorteil sein kann. Partielle Auskleidungen lassen sich in Längen bis zu 5 Metern setzen. In Ausnahmefällen lassen sich auch mehrere partielle Auskleidungen aneinander reihen.


Renovierung

Beispiel Schlauchliner:

Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch aus z.B. Nadelfilz wird mit pneumatisch oder mit Wasserdruck so in die zu sanierende Rohrleitung eingestülpt und aufgeweitet, dass er an der Rohrwand überall dicht und formschlüssig anliegt und anschließend aushärtet, 1 bis 5 Stunden, je nach Härtungstechnik. Geknickte oder zerdrückte Anschlüsse müssen mit einem Fräsroboter zunächst wieder geöffnet werden. Auch Leitungsbögen können mit dem Fräsroboter-Verfahren renoviert werden.

Mit dem Schlauchlining-Verfahren lassen sich ganze Leitungen, aber auch Teile davon schnell und ohne großen Bauaufwand sanieren. Bögen in der Leitung können so wie gequetschte Rohre, die anschließend per Fräsroboter wieder geöffnet werden müssen,  zum Problem werden.


Erneuerung

In offener Bauweise:

Diese Bauweise kann man als die klassische Form des Rohrleitungsbaues bezeichnen. Hierbei wird ebenfalls ein Graben ausgehoben und die Abwasserrohre entweder in der bisherigen oder in einer neuen Linienführung vollständig neu gebaut. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Abwassergrundleitungen möglichst kurz und geradlinig aus dem Gebäudebereich geführt werden. Auf diese Weise sind sie wesentlich einfacher zu überwachen und instand zu setzen.

Grabenlose Neuverlegung von Leitungen:

Technologie wie das Berstlining-Verfahren und das TIP-Verfahren erlauben auch bei Schadensbildern, bei denen die Leitung ausgewechselt werden muss, eine "grabenlose Neuverlegung" ohne Beschädigung der Oberflächen.

Beispiel Berstlining:


Berstlining ist ein Verfahren, bei dem in der vorhandenen Rohrtrasse eine neue Rohrleitung verlegt wird. Zuvor zertrümmert eine Erdrakete die zu erneuernden Abwasserrohre und verdrängt die dabei entstehenden Bruchstücke in das umgebende Erdreich. Gleichzeitig wird das neue Rohr in Teilstücken oder als Ganzes eingezogen.
Beim TIP-Verfahren zieht man einen Strang aus neuen Kunststoffrohren in die defekte Leitung ein. Dabei können auch Verformungen des alten Rohrs bis zu einem gewissen Grad aufgehoben werden.

Abhängen von Leitungen im Keller:

Die Sanierung beschädigter und undichter Rohrleitungen unterhalb der Sohlplatte eines Kellers ist in den meisten Fällen sehr teuer oder gar unmöglich. Aus diesem Grund werden solche Leitungen oft stillgelegt und an neue der Kellerdecke abgehängt.
Diese Lösung bietet zudem künftig eine optimale Kontrolle und Zugänglichkeit der Abwasserleitungen und ist gemäß DIN 1986-100 inzwischen auch anerkannte Regel der Technik für den Neubau. So kann zum Beispiel eine Waschmaschine, die im Keller betrieben wird, durch eine moderne Hebeanlage unkompliziert und wartungsfreundlich entwässert werden. Unter Umständen lässt sich auch ein Leitungssystem in der Bodenplatte selbst verlegen, was aber einen Eingriff in die Bodenplatte voraussetzt.

Flutungsverfahren:

Beim Flutungsverfahren werden die Leitungen wie bei einer Wasserdruckprobe geschlossen und nacheinander mit zwei Komponenten eines Silikatgel-Systems („Wasserglas") gefüllt. Die erste Komponente entweicht durch Undichtigkeiten aus der Leitung und sammelt sich in Poren und Hohlräumen des Bodens rund ums Rohr. Anschließend wird die erste Komponente aus der Leitung abgesaugt und zweite Komponente eingeführt. An den Stellen, wo Komponente zwei auf Komponente eins trifft, also an allen undichten Stellen, reagieren beide miteinander und verfestigen den Boden um die Leitung zu einer sandsteinartigen, wasserdichten Masse. Schließlich wird auch die Komponente zwei wieder abgesaugt. So lassen sich schnell und ohne großen Aufwand auch in unzugänglichen Bereichen einzelne Leitungen und ganze Netzabschnitte abdichten. Bei Leitungen, die so stark beschädigt sind, dass sich ein Prüfdruck gar nicht erst aufbauen lässt, ist vom Flutungsverfahren Abstand zu nehmen.

Die Rückstausicherung:

Grundstücke, deren tiefste Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene des öffentlichen Schmutz- bzw. Mischwasserkanals liegen, müssen über Rückstausicherung verfügen. Andernfalls entsteht das Risiko einer Kellerüberflutung im Fall von Abwassereinstau in der öffentlichen Kanalisation.

Ein Fehlen der Rückstausicherungen ist in entsprechenden Fällen ein Verstoß gegen den Anlagenbetrieb und häufig auch ein Verstoß gegen die geltende Abwassersatzung. Daher kann der Grundstückseigentümer in solchen Fällen die Kommune nicht für Rückstauschäden haftbar machen. Außerdem setzt der Grundstückseigentümer ohne Rückstausicherung seinen Versicherungsschutz gegen Abwasserschäden aufs Spiel!

Also: Bei der Sanierung die Gelegenheit nutzen, sich mit dem Thema Rückstausicherung zu beschäftigen.


Was darf verbaut werden?

Der Einsatz von Sanierungswerkstoffen und -verfahren auf dem Grundstück hat den Regeln des Baurechts, also den jeweiligen Landesbauordnungen, zu folgen. Die Zulässigkeit von Bauprodukten ist besonders nach §§ 17 bis 24 der Musterbauordnung von November 2002 (bzw. der abgeleiteten Landesbauordnungen) zu prüfen bzw. nachzuweisen.

Werkstoffe grabenloser Sanierungsverfahren bedürfen

• einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (§ 18 MusterBauO)
• eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses (§ 19 MusterBauO)
• oder einer Zustimmung im Einzelfall (§ 20 MusterBauO)


Dichtheitsprüfung mit Wasser oder Luft?

Falls über die Hälfte der Grundstücksentwässerungsanlage saniert wird, muss die Dichtheit der Abwasserleitungen physikalisch, also mit Wasser oder Luft, nach DIN EN 1610 nachgewiesen werden.

Wird eine Dichtheitsprüfung mit Wasser durchgeführt, muss die Leitung zunächst mit einer Rohrblase abgesperrt werden. Dann werden die Rohre bis 50 cm über dem höchsten Punkt mit Wasser befüllt. Dieses wird über 30 Minuten gehalten, während gleichzeitig der Wasserverlust gemessen wird. Die Leitung wird als dicht eingestuft, wenn ein vom Rohrmaterial und von der benetzten Rohrinnenfläche abhängiger, Wasserverlust nicht überschritten wird.


Sanierungskosten

Die Kosten für die Sanierung sind abhängig von:

• Art und Ausmaß der tatsächlichen Rohrschäden
• Länge und Verlauf der Leitungen
• Grad der Verzweigung
• Zugänglichkeit (z.B. mit/ohne Schacht)

Sanierung einer Abwasserleitung mit dem Durchmesser 15 cm:

• Erneuerung in offener Bauweise ca. 300,00 EUR pro Meter
• Erneuerung unter der Sohlplatte ca. 550,00 EUR pro Meter
• Abhängen der Leitung unter der Kellerdecke ca. 100,00 EUR pro Meter
• Schlauchliner ca. 275,00 EUR pro Meter

Die Kosten sind nur als Richt- und Orientierungswerte anzusehen. Die tatsächlich entstehenden Kosten können regional stark schwanken und um bis zu 30 % von den angeführten Werten abweichen.


Beratung

In der Praxis stellt sich oft heraus, dass eine wirksame Sanierung von Grundleitungen mit nur einem einzigen Verfahren selten möglich ist. Dies ist im Einzellfall von der Größe des Grundstücks und der Komplexität der darauf stehenden Bebauung abhängig.

Das Institut für Unterirdische Infrastruktur Gelsenkirchen (IKT) hat die Dichtheitsprüfung und Sanierung von 163 Wohngrundstücken in Rheine im Rahmen der Fremdwasser-Sanierung verfolgt und ausgewertet.

Das IKT kommt dabei unter anderem zu folgendem Fazit:

Bei der Sanierungsplanung ... "kann in der Regel nicht auf ein einzelnes Sanierungsverfahren zurückgegriffen werden; vielmehr müssen Verfahren kombiniert werden. Bei den in Rheine durchgeführten Sanierungen konnten sehr gute Ergebnisse mit einem kombinierten Einsatz von
• Schlauchlinern
• Kurzlinern
• der Neuverlegung von Teilstrecken in den Kellern oberhalb der Bodenplatte
• der Neuverlegung von Leitungsstrecken in offener Bauweise im Außenbereich der Gebäude
• dem Verfüllen von nicht mehr benötigten Leitungsstrecken
erzielt werden."  (IKT-Newsletter, Teil 5, Mai 2004)

Folglich ist eine optimierte Sanierungsplanung ohne ingenieurtechnische Beratung praktisch gar nicht denkbar ist. Erstens ist ein von Vertriebsinteressen unabhängiger Gesamtüberblick über alle Möglichkeiten der Sanierung erforderlich und zweites können kombinierte Paket-Leistungen nur durch sachkundige Ausschreibungen wirtschaftlich eingekauft werden.



Kategorie: Dichtigkeitsprüfung Kanalsanierung Rohrsanierung Sanierung Schlauchlining

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KW 36 - Donnerstag, 09. September 2010