Allgemeine Informationen für Hauseigentümer und andere Erwachsene in Deutschland. Technische Verfahren, Pflichten und Fristen hängen von der Anlage und den regionalen Vorgaben ab. Konkrete Fragen gehören zur zuständigen Stelle oder in eine fachliche Planung.

Wenn bei einer Kameraprüfung ein Riss in einer Abwasserleitung auffällt, lässt er sich nicht allein anhand des Bildes oder seiner Breite bewerten. Für die Dringlichkeit zählen auch Art und Lage des Risses, das Rohrmaterial und der Zustand der gesamten Leitung. Je nach Befund muss der Riss saniert werden oder ist nur eine oberflächliche Spur, die keine Reparatur braucht.

Für Hauseigentümer gibt es in Deutschland weder eine einheitliche Rissgrenze noch eine bundesweit einheitliche Sanierungsfrist. Die technische Bewertung und die rechtlichen Vorgaben hängen vom betroffenen Leitungsabschnitt, vom Bundesland und teils von der Kommune ab.

Rissarten in Abwasserrohren

Ein sichtbarer Riss ist zunächst nur eine Beobachtung. Bei der fachlichen Prüfung wird genauer beschrieben, was zu sehen ist: Der Riss kann in der Rohrwand sichtbar sein, als offener Spalt vorliegen oder nur die Oberfläche betreffen. Diese Befunde sagen unterschiedlich viel darüber aus, ob das Rohr dicht und stabil ist.

Auch das Rohrmaterial zählt. Der Bildreferenzkatalog des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen beschreibt zum Beispiel sogenannte Brandrisse in der Glasur von Ton- oder Steinzeugrohren. Wenn nur die Glasurschicht betroffen ist, gelten sie in diesem konkreten Fall nicht als Schaden, der saniert werden muss. Das lässt sich nicht auf andere Risse oder Rohrarten übertragen.

Eine Kameraaufnahme sollte deshalb mit einer fachlichen Beschreibung vorliegen. Das Wort „Riss“ allein bedeutet weder, dass Abwasser austritt, noch dass die Leitung unmittelbar einzustürzen droht.

Altes und neues Rohrmuster nebeneinander.
KI-generiertes Symbolbild, keine dokumentarische Aufnahme

Rissbreiten richtig einordnen

Für bestimmte Fälle nennt der NRW-Bildreferenzkatalog feste Grenzwerte. Sie gelten für Grundleitungen mit einer Nennweite, also der angegebenen Rohrgröße, von DN 100 bis DN 250: Ein Riss ab 2 Millimetern gehört zur Schadensklasse A. Ab 1 Millimeter und unter 2 Millimetern gilt die Klasse B, unter 1 Millimeter die Klasse C.

Rissbreite Einstufung im NRW-Beispiel
Ab 2 mm Schadensklasse A
Ab 1 mm, unter 2 mm Schadensklasse B
Unter 1 mm Schadensklasse C

Diese Einteilung gilt für das NRW-Beispiel. Weichen Rohrart oder Nennweite ab, lässt sich die Einteilung nicht automatisch übertragen. Das gilt ebenso für Schächte und andere Bundesländer. Bei Schächten und Inspektionsöffnungen zählen zum Beispiel auch die Lage und die Form des Risses. Ein Riss unter 1 Millimeter ist deshalb nicht automatisch harmlos.

Hier geht es um zwei verschiedene Bewertungssysteme. Die Schadensklassen A, B und C im NRW-Katalog ordnen Befunde Sanierungskategorien zu. Das DWA-Merkblatt M 149-3, Ausgabe Mai 2024, beschreibt dagegen, wie Fachleute den Zustand nach einer optischen Inspektion einteilen und bewerten. Es gilt auch für Grundstücksentwässerungsanlagen außerhalb von Gebäuden. Dabei wird jeder Befund im Zusammenhang mit dem Zustand der gesamten Leitung betrachtet. Das Regelwerk legt keine bundesweit geltenden gesetzlichen Fristen fest.

Welche Folgen ein undichter Riss hat

Ist eine Abwasserleitung undicht, kann Schmutzwasser in den Boden und dadurch ins Grundwasser gelangen. Leitungsschäden können außerdem zu feuchten Gebäuden oder einem Einbruch des Bodens an der Oberfläche beitragen. Die Stadt Dortmund nennt diese Folgen als mögliche Risiken. Sie treten nicht bei jedem Riss auf.

Entscheidend ist deshalb, ob die Leitung dicht, standsicher und betriebssicher ist. Die Rissbreite allein beantwortet diese Fragen nicht. Wende dich zeitnah an die zuständige Stelle oder einen qualifizierten Fachbetrieb, wenn Abwasser austritt. Dasselbe gilt, wenn es sich in der Leitung zurückstaut oder der Boden über der Leitung absinkt. Arbeiten in Schächten oder an Anlagen unter Druck solltest du Fachleuten überlassen.

Welche Fristen regional gelten

Das Wasserhaushaltsgesetz legt bundesweite Grundpflichten für Abwasseranlagen fest. Die Anlagen müssen so gebaut, betrieben und instand gehalten werden, dass die Anforderungen an die Abwasserbeseitigung eingehalten werden. Betreiber müssen außerdem Zustand und Funktionsfähigkeit überwachen. Einen einheitlichen Prüftermin für jede private Hausleitung gibt es dadurch nicht. Landesrecht und kommunale Vorgaben legen die Anforderungen genauer fest.

In Nordrhein-Westfalen gilt die Selbstüberwachungsverordnung Abwasser für bestimmte private Leitungen im Erdreich oder in unzugänglichen Bereichen. Die Verordnung teilt die Schäden nach ihrer Schwere ein: Große Schäden sind kurzfristig zu sanieren, mittelgroße innerhalb von zehn Jahren. Bei Bagatellschäden, also geringfügigen Schäden, ist in der Regel vor der Wiederholungsprüfung keine Sanierung nötig. Gemeinden können im Einzelfall andere Fristen festlegen. Die Verordnung gilt nicht für Leitungen, die nur Niederschlagswasser ableiten.

Auch Städte können in ihren Programmen eigene Fristen nennen. Für bestimmte Grundstücksanschlussleitungen, die Dortmund untersucht, gelten sechs Monate bei großen Schäden und zehn Jahre bei mittelgroßen Schäden. Bei Bagatellschäden ist innerhalb von 30 Jahren eine erneute Begutachtung vorgesehen. Diese Fristen gelten nur für die genannten Dortmunder Leitungen, nicht für ganz Nordrhein-Westfalen oder andere Städte.

Am 28. März 2024 erklärte Schleswig-Holstein eine geänderte und ergänzte Fassung der DIN 1986 Teil 30 zur allgemein anerkannten Regel der Technik. Grundstückseigentümer sind dort für die Prüfung privater Leitungen zuständig. Sie müssen den Nachweis aufbewahren und auf Anfrage vorlegen. Die Fristen hängen unter anderem von der Lage vor Ort ab. Ältere Landesinformationen aus dem Jahr 2023 nannten für Erstprüfungen außerhalb von Wasserschutzgebieten eine Frist bis 2040. Übertrage diese Angabe nicht ungeprüft auf deine Adresse. Maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben der zuständigen Kommune oder Wasserbehörde.

Baumwurzeln im Gartenboden.
KI-generiertes Symbolbild, keine dokumentarische Aufnahme

Was du nach einem Rissbefund tun kannst

Lass dir den Befund so dokumentieren, dass du nachvollziehen kannst, wo der Riss liegt und wie er eingestuft wurde. Bei einer optischen Prüfung verlangt die NRW-Verordnung in den Fällen, für die sie gilt, unter anderem eine Bescheinigung und das Befahrungsvideo. Hinzu kommen Prüfberichte sowie ein Lageplan oder eine Skizze.

Kläre anschließend, ob der Befund eine Grundleitung oder einen Schacht betrifft. Kläre auch, aus welchem Material das Rohr besteht und ob der Riss nur die Oberfläche oder auch die Rohrwand betrifft. Bitte um eine Erklärung, wie die Fachleute zu ihrer Bewertung kommen und ob sie sich auf ein bestimmtes Regelwerk oder eine örtliche Vorgabe stützt. Die empfohlene Sanierung sollte zum dokumentierten Befund passen. Ein Foto allein reicht nicht aus, um eine verlässliche Sanierungsmethode festzulegen.

Prüfung und Sanierung sind getrennte Leistungen. Bevor du eine Sanierung beauftragst, kläre deshalb, welche Arbeiten geplant sind und welche Nachweise danach nötig sind. Welche Prüfung nach der Sanierung erforderlich ist, hängt unter anderem vom Umfang und den Umständen der Arbeiten ab. Lass dir außerdem von der zuständigen Kommune bestätigen, welche Frist für dein Grundstück gilt.

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